Freitag, 20. April 2007

Wie reagiert das Volk?

Am vergangenen Dienstag habe ich meine Thesen einmal in der Runde meiner Kollegen und Mitstreiter vertreten. Es wurde sofort deutlich, wo das Problem liegt. Unser Städebau ist nicht etwa nur ein Zeichen von Ratlosigkeit, sondern Ausdruck eines gesellschaftlichen Klimas, dass von Neid und Konfliktscheu geprägt ist. Der konfuse Siedlungsbrei aus Einfamilienhäusern (Titelbild) dient dem Zwang zum Konformismus und der Nivellierung von sozialen Unterschieden. Jeder bekommt das Gleiche: ein Grundstück mit einem Haus darauf, einschließlich Vorgarten, Bürgersteig und 6,50 m breiter Straße. Bessere oder schlechtere Lagen gibt es nicht, zumindest spiegeln sie sich nicht in der Stadtstruktur wieder: die Flächen am Waldrand sind genauso erschlossen und angelegt wie an der Ausfallstraße. Würden die Häuser und ihre Bewohner ihren Platz und ihre Rollen tauschen, nichts würde sich ändern.

Wir leben in einer Region, die zwar ein gewisses Maß an Originalität zu Unterhaltungszwecken akzeptiert, den sozialen Aufstieg des Nachbarn aber als Kränkung empfindet. Neid gilt nicht als unappetitlicher Charakterfehler, sondern ist eine weithin akzeptierte Eigenschaft. Kein Wunder also, dass ein jeder ängstlich darauf bedacht ist, mit der Wahl seiner Wohnform keinen Anstoß zu erregen.

Bisher wurden Zuwanderer durch billiges Bauland angeworben, dass die Gemeinden mit vollen Händen auf dem Markt geworfen haben. Inzwischen löst dieser Weg ein gewisses Unbehagen aus. Unsere kleine Stadt sollte also gezielt wirtschaftlich stärkere Zuwanderer anwerben, und ihnen die Möglichkeit geben, sich angemessen zu präsentieren: dazu muss das städtische Wohnen in den wenigen innenstadtnahen Lagen flächensparend, aber repräsentativ sein. Ebenso gehören in den besten Lagen am Stadtrand einzelne attraktive Villengrundstücke ins Angebot, auch wenn das Volk zähneknirschend dabei zusieht.

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